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Mit dem e-Golf durch den Alltag
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HAZ-Autotest Mit dem e-Golf durch den Alltag

Der deutsche Automobilkonzern VW hat die Elektroversion des Bestsellers auf Leistung und Reichweite getrimmt.

Der neue e-Golf: Die Elektroversion ist vorne am blauen Band zu erkennen, das sich quer über das Fahrzeug zieht. Am Heck fehlt der Auspuff.

Quelle: Uli Sonntag

50 Prozent mehr Reichweite, mehr Leistung, eine bessere Ausstattung – Volkswagen hat sich bei der Konstruktion des neuen Elektro-Golfs ins Zeug gelegt. Wie die Modelle mit Verbrennungsmotor ist der e-Golf, der am 13. April auf den Markt kommt, ein komplett ausgestattetes Fahrzeug und keine auf Leichtbau getrimmte Mogelpackung.

Flotter Wolfsburger

Mit einer Leistung von 136 PS und 290 Newtonmetern Drehmoment, die von der ersten Sekunde an anliegen, lässt sich der Wolfsburger ziemlich flott bewegen – und das emissionsfrei. Volkswagen ist überzeugt, damit in Sachen Alltagstauglichkeit einen wichtigen Schritt vorangekommen zu sein. Vertriebschef Jürgen Stackmann hat dafür den griffigen Slogan: „Wir bringen die Zukunft in Serie.“

Alle 40 Sekunden läuft ein Golf vom Band

Wenn es um den Golf geht, rechnet man in Wolfsburg in Millionen. Denn alle 40 Sekunden läuft irgendwo auf der Welt ein Golf vom Band. Da kann die E-Version natürlich nicht mithalten. Seit der Markteinführung 2014 sind rund 30.000 Einheiten mit Elektroantrieb produziert worden, hauptsächlich für die Märkte in Norwegen und Kalifornien. Doch mit der neuen Generation von Lithium-Ionen- Batterien sollen die Verkaufszahlen nun steigen: Denn der e-Golf sei jetzt fit für die meisten Belange des Alltags.

200 Kilometer Reichweite

Mit einer Nennreichweite von 300 Kilometern, gemessen auf dem Prüfstand, und einer realen Reichweite von etwa 200 Kilometern dürften selbst Vielfahrer zurechtkommen. Wenn sie den Wagen abends ans Stromnetz hängen, sollte er am nächsten Morgen in den meisten Fällen in vollem Umfang wieder startklar sein (abhängig vom Ladestand der Batterie). Nach einer Untersuchung des deutschen Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur legen rund 80 Prozent aller Autofahrer täglich weniger als 50 Kilometer zurück – so könnte der e-Golf aus Wolfsburg ins Nutzungsprofil von vielen passen.

Vertraute Bild der siebten Golf-Generation

Wer in dem Fahrzeug erstmals Platz nimmt, trifft auf das vertraute Bild der siebten Golf-Generation, seit dem großen Facelift Anfang des Jahres sogar mit dem virtuellen Cockpit, das im Sprachgebrauch der Niedersachsen etwas umständlich Active Info Display heißt. Hier findet man nichts von dem meist etwas bemüht wirkenden, auf Avantgarde getrimmten Interieur anderer Elektroauto-Anbieter: Materialien, Verarbeitung und Layout tragen die Handschrift eines soliden Autobauers. Nur dass eben unter der Motorhaube der Antrieb der Zukunft werkelt, gespeist aus einer 35,8-kWh-Antriebsbatterie, die sich unter dem Fahrer- und Beifahrersitz befindet. Das wirkt sich nicht nur positiv auf die Gewichtsverteilung aus, sondern bedeutet auch keinerlei Einschränkungen bei der Größe des Laderaums.

80 km/h aus dem Stand in 6,9 Sekunden

Beim Betätigen des Startknopfs tut sich erst einmal – nichts. Erst wenn man den ersten und einzigen Gang einlegt, surrt das Fahrzeug los, auf Wunsch dann aber mit Macht. 80 km/h sind aus dem Stand in 6,9 Sekunden erreicht, die 100-km/h- Schranke knackt der Wagen in 9,6 Sekunden. Lediglich Schnellfahrer werden etwas enttäuscht sein, denn bei Tempo 150 wird elektronisch abgeregelt – der Reichweite zuliebe. Volkswagen gibt den Stromverbrauch des e-Golfs mit 12,7 Kilowattstunden auf 100 Kilometern an, die haben wir bei unserer ersten Testfahrt nicht erreicht – doch mit einem Durchschnittsverbrauch, der je nach Fahrweise und Streckenprofil zwischen 15 und 17 kWh liegt, ist das 1,6 Tonnen schwere Auto immer noch gut unterwegs.

Smarter Wegbegleiter

Das Menü bietet dem Fahrer außerdem diverse Grafiken und Daten an, die jederzeit über Fahrmodi, Restreichweiten und aktuelle Stromverbräuche informieren. Zudem stehen vier Rekuperationsstufen zur Verfügung, die den Wagen unterschiedlich stark abbremsen und gleichzeitig wieder etwas Strom in die Batterie nachladen. Um die Reichweite auch im Winter zu halten, bietet Volkswagen optional eine Wärmepumpe an, die als Zusatzmodul die elektrische Leistungsaufnahme der Heizung deutlich reduziert. Die Ladezeiten für die Batterien sind abhängig von der Stromquelle und liegen zwischen 17 Stunden an der Haushaltssteckdose (bei leergefahrenem Akku, was in der Praxis kaum passiert) und 45 Minuten (bis 80 Prozent) an einer Schnellladestation. Über die App „Car-Net e-Remote“ können diverse Einstellungen wie das Starten des Ladevorgangs oder die Standklimatisierung über das Smartphone beziehungsweise das Car-Net-Portal im Internet vorgenommen werden.

VW will die Anschaffung eines E-Autos mit einem Bonus  noch attraktiver machen: In den ersten zwei Jahren ab Erstzulassung erhalten Käufer eines e-Golfs bis zu 30 Tagen im Jahr einen Mietwagen aus dem Pkw-Programm der Wolfsburger kostenlos – ausgenommen ist nur der Touareg. Damit sind dann  selbst lange Reisen kein Problem mehr.

Von Gerd Piper

VW e-Golf

Motor Elektromotor
Leistung 100 kW/136PS
Batterie Lithium-Ionen
Kapazität 35,8 kWh
Max. Drehm. 290 Nm
0-100 km/h 9,6 s
Spitze 150 km/h (abger.)
Stromverbrauch 12,7 kWh
CO 2-Emission 0 g/km
Länge/Breite/Höhe 4,27/2,03/1,48 m
Nennreichweite 300 km
Praxisnah 200 km
Getriebe Eingangs-Getr.
Preis ab 35.900 Euro

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