Menü
Ungewöhnliche Zuversicht bei Firmen
Klein Mittel Groß

IHK-Umfrage Ungewöhnliche Zuversicht bei Firmen

Die Stimmung in der niedersächsischen Wirtschaft hat sich gedreht. Nachdem die Unternehmen zum Jahresauftakt noch eher skeptisch in die Zukunft geblickt haben, überwiegen nun die optimistischen Stimmen. In einer Umfrage der Industrie- und Handelskammern unter 1700 Betrieben im Land rechnen die Manager mit einem Aufschwung.

Gutes konjunkturelles Umfeld: Viele niedersächsische Firmen - hier Produktion bei der Göttinger Sartorius AG - blicken zuversichtlich nach vorne.

Quelle: Photographer Peter Ginter

Hannover. Der Konjunkturindikator legte um 6 auf 118 Punkte zu - das ist der höchste Stand seit drei Jahren. „Das sollte allen Mut machen“, sagte Horst Schrage, Hauptgeschäftsführer bei der IHK Niedersachsen (IHKN), am Donnerstag in Hannover.

Die neu gewonnene Zuversicht der Wirtschaft zeigt sich vor allem bei den Investitionen: 29 Prozent der Unternehmen wollen ihre Produktionskapazitäten erneuern oder erweitern; nur 15 Prozent planen Kürzungen. „Das sind die höchsten Umfragewerte seit 2011“, sagte Schrage. In der Folge wollen die Firmen auch Mitarbeiter einstellen - die IHKN rechnet deshalb nach 50 000 neuen Stellen im vergangenen Jahr mit einer ähnlich hohen Zahl für 2017.

Vorsichtig bei Prognose

Der Optimismus der Industrie speist sich aus einer guten Auftragslage. Fast jede vierte Firma rechnet für die kommenden Monaten mit besseren Geschäften - zu Jahresbeginn war es nur knapp jede fünfte. Besonders in der Chemieindustrie, bei Metallerzeugnissen, im Maschinenbau, der Elektrotechnik und auch in der Automobilbranche stehen die Zeichen auf Expansion. „Das ist eine Art Durchbruch“, sagte Schrage.

Der Stimmungsumschwung hat auch die IHKN überrascht. Politische Risiken wie der Brexit, die Unsicherheit über die US-Handelspolitik oder die bevorstehenden Präsidentschaftswahlen in Frankreich seien offenbar in den Hintergrund getreten, hieß es.

Bei den Kammern traut man dem ungewöhnlich positiven Ergebnis der Umfrage jedoch noch nicht so ganz. „Mit Blick auf 2018 ist schon wieder ein ganz anderes Szenario möglich“, sagte Schrage. Die IHKN belässt es daher bis auf Weiteres bei der im Januar verkündeten Prognose von einem Prozent Wirtschaftswachstum im laufenden Jahr.

Bei Bonität noch Luft nach oben

Für übergroßen Optimismus gibt es auch nach Einschätzung der Wirtschaftsauskunftei Creditreform noch keinen Grund. In der Region Hannover sei die Bonität der Unternehmen zwar leicht gestiegen, sagte der örtliche Creditreform-Chef Holger Bissel - aber es lasse sich noch immer keine Trendwende erkennen. Bedenklich sei, dass die Eigenkapitalausstattung erstmals wieder sinke. „Hier spielt die Verlockung des billigen Geldes eine entscheidende Rolle“, sagte Bissel mit Blick auf niedrige Kreditzinsen. Die schlechten Erfahrungen aus der Zeit der Finanzkrise gerieten offenbar in Vergessenheit.

Die Zahl der Firmeninsolvenzen in der Region lag im ersten Quartal mit 182 in etwa auf Vorjahresniveau. Dem standen 534 Neueintragungen im Handelsregister gegenüber - ein Plus von 8 Prozent. Von einem Gründerboom sei man damit noch einiges entfernt, sagte Bissel. Insbesondere im Mittelstand aber könne man im Großraum Hannover eine positive Entwicklung beobachten.

Für den Arbeitsmarkt sind die Experten zuversichtlich. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung sagt für die Region Hannover bei der Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten im laufenden Jahr ein durchschnittliches Wachstum von 2,9 Prozent voraus. Das deckt sich mit den Erwartungen für ganz Niedersachsen. Im ersten Quartal verzeichnete die Agentur für Arbeit rund 8200 neue Jobs; im Vorjahreszeitraum waren es ähnlich viele. „Die Stellenzugänge sind stabil und verbleiben auf hohem Niveau“, erklärte Hannovers Agenturchefin Heike Döpke.

E-Mail facebook twitter google+WhatsApp
Voriger Artikel: China erstmals auf Platz zwei der Aussteller
Home
Nächster Artikel: Feinkosthersteller Homann schließt vier Werke