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So intim waren die Briefe zwischen Leibniz und Sophie
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Sammlung als Buch So intim waren die Briefe zwischen Leibniz und Sophie

Ein Buch wie ein Backstein: Der Briefwechsel zwischen Kurfürstin Sophie und ihrem Vertrauten Gottfried Wilhelm Leibniz ist 872 Seiten stark – und er zeigt, wie eng die beiden einander verbunden waren.

„Abschiedsgeschenk“: Leibniz-Professor Wenchao Li.

Quelle: Katrin Kutter

Hannover. Ihre Kurfürstliche Durchlaucht hatte einen Hang zum Sarkasmus. Die betagte Fürstin Sophie hoffte nämlich, dass sie die englische Königin Anna überleben würde, um dieser auf dem britischen Thron nachfolgen zu können. Die kränkelnde Anna setzte ihrerseits allen persönlichen Ehrgeiz daran, nur nicht vor ihrer verhassten Thronfolgerin zu sterben. Im März 1714 schließlich spürte Hannovers Kurfürstin ihre Kräfte schwinden. Mit ihrem Körper sei „kein Staat zu machen“, schrieb Sophie an ihren Vertrauten Gottfried Wilhelm Leibniz: „Der Königin Anna geht es vortrefflich. Sie muss sich mit dem Sterben ranhalten, wenn ich Königin werden soll.“ Kurz darauf verschied Sophie. Nur zwei Monate vor Anna.

Erhabenes und Banales

Teils geht es um recht intime Dinge in den 382 bis heute erhaltenen Briefen, die Sophie und Leibniz zwischen 1679 und 1714 wechselten. Jetzt ist dieser bemerkenswerte Briefwechsel erschienen. Das Buch ist ein Werk wie ein Backstein, 872 Seiten stark. Es erfüllt eher wissenschaftliche als populäre Ansprüche. Eine Auswahl hätte es kurzweiliger gemacht, doch andererseits wirft es gerade wegen seines barocken Umfangs ein Schlaglicht auf die Briefkultur jener Zeit. Wenn der Gelehrte krank darniederlag, gingen schon einmal bis zu fünf Briefe täglich zwischen Hannover und Herrenhausen hin und her.

In den Schreiben ging es um Welfengeschichte und Politik, um Glaube und Vernunft. Leibniz mäkelte schon mal über seine schlechte Besoldung, Sophie gab ihm Tipps zur Behandlung seines offenen Beins. Und wenn er ihr wortreich philosophische Gedankengänge erklärte, gestand sie bisweilen freiweg: „Das ist über meinen Verstand.“ Das Buch zeigt so, wie nah Erhabenes und Banales beieinander liegen können. Und wie nah Macht und Geist sich kommen können.

„Der Austausch umfasst ein ungemein farbiges Spektrum an Themen“, sagte Herausgeber Wenchao Li bei der Vorstellung des Buches in der Leibniz-Bibliothek. Die 1997 verstorbene Leibniz-Expertin Gerda Utermöhlen hatte die Arbeit an dem Opus magnum einst begonnen, jetzt hat Sabine Sellschopp die Übersetzung aus dem höfischen Französisch beendet.

Der Band ist auch ein „Abschiedsgeschenk“, wie Erich Barke, Präsident der Leibniz-Gesellschaft, bei der Buchpräsentation sagte: Am 30. Juni läuft nach sieben Jahren die Leibniz-Professur von Herausgeber Wenchao Li aus. Einen Nachfolger hat er nicht.

Wenchao Li (Hg.): „Gottfried Wilhelm Leibniz - Kurfürstin Sophie von Hannover. Briefwechsel“. Wallstein. 382 Seiten, 39,90 Euro.

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