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Radiophilharmonie und Max Mutzke begeistern Hamburg
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Elbphilharmonie Radiophilharmonie und Max Mutzke begeistern Hamburg

Die Radiophilharmonie hat ihr erstes Gastspiel in der Elbphilharmonie gegeben - und den Saal zusammen mit Max Mutzke auch ohne ideale Bedingungen zum Kochen gebracht. Dabei waren die Musiker zunächst gar nicht begeistert von der Akkustik in der neuen Konzerthalle.

Große Kulisse: Sänger Max Mutzke (mit Mütze), Dirigent Enrique Ugarte und die NDR Radiophilharmonie im Großes Sall der Elbphilharmonie.

Quelle: Haberstumpf

Hamburg. Am Anfang ist sie zickig. Die schöne, neue, teure Konzerthalle mit ihrer kristallklaren Akustik fremdelt, wenn Musik hier elektronisch verstärkt wird. Der Klang ist für ihre Verhältnisse etwas matschig, als die Musiker der NDR Radiophilharmonie den Soundcheck für ihren ersten Auftritt in der Elbphilharmonie zusammen mit dem Sänger Max Mutzke beginnen. Der Schlagzeuger am Bühnenrand muss den Dirigenten Enrique Ugarte sogar bitten, besonders deutlich zu schlagen, weil er von seinen Kollegen nicht viel hören könne.

Abgehängte Weiße Haut

Auch die Orchestermusiker sind nicht gerade begeistert. Das Warmspielen vor Beginn der Probe, als noch keine Mikrofone am Instrument befestigt, war für die meisten ein Ereignis: So schön und klar wie hier klingt es im heimischen Funkhaus nicht. Aber die Probe unter elektronischer Klangregie ist nicht so überzeugend. „Es knallt sehr“, sagt Solo-Cellist Nikolai Schneider. „Das Konzept mit der Verstärkung ist für Hallen gedacht, die nicht so eine ideale direkte Akustik haben, wie es sie hier gibt.“

Der erste Auftritt der Radiophilarmonie in der neuen Hamburger Elbphilarmonie war ein voller Erfolg.

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Der Klang im Saal ist also gewissermaßen zu gut, um ihn künstlich zu verändern. Das es in diesem Bereich Probleme gibt, wissen die Verantwortlichen der Elbphilharmonie: Sobald Mikrofone im Spiel sind, fahren sie Stoffwände aus dem Boden, die einen Gutteil der berühmten Weißen Haut an den Wänden verdecken, an der sich der Klang sonst auf spezielle Weise brechen soll. Aber die Radiophilharmonie kann an dem Konzept, das seit der Premiere des Mutzke-Programms im Funkhaus im vergangenen Sommer steht, jetzt nichts mehr zu ändern. Die Zeit bis zum Auftritt ist viel zu kurz.

Langweilig ist es nach der Probe auch so nicht: Allein der Blick aus der verglasten Wand im Stimmzimmer ist ja ein Ereignis. „Mit dieser Aussicht kann man viel besser üben“, sagt Cellist Schneider. Neidisch auf die Hamburger Kollegen, die hier ihre festen Schränke haben und nicht wie die Gäste aus Hannover ihre Anzüge außen an die abgeschlossenen Griffe hängen müssen, ist Schneider aber eben sowenig wie sein Kollege Oliver Mascarenhas. „Wir sind nicht im falschen Orchester“, sagt der, „wir können aber an unseren Räumlichkeiten im Funkhaus arbeiten.“ Der Auftritt in der Elbphilharmonie sei ein Ansporn, Veränderungen bei den teilweise unbefriedigenden Bedingungen im Funkhaus anzustreben.

Dass aber nicht immer alles an der Akustik hängt, ist bald darauf im Konzert zu erleben. Es dauert nur ein paar Minuten, bis die Elphi kocht. Max Mutzke bräuchte das Publikum ganz nicht anzufeuern - die Hamburger sind auch so höchst begeisterungsfähig. Und der Jubel gilt nicht allein dem bekannten Sänger: Wenn der das Orchester vorstellt, steigt der ohnehin hohe Beifallpegel noch einmal deutlich an.

Vorfreude auf nächstes Konzert

So ist es kein Wunder, dass der Abend nicht nur unterhaltsam und musikalisch überzeugend gerät, sondern auch sehr ausgedehnt. Normalerweise dauere das Programm zwei Stunden, sagt eine Orchestermanagerin, wenn der Sänger gut aufgelegt sei, auch mal eine halbe Stunde länger. In der Elbphilharmonie dauert der Auftritt schließlich fast drei Stunden: Erst kurz vor Mitternacht spielt das Orchester die vorerst letzten Töne an diesem prominenten Ort.

Für die Musiker, die danach noch mit dem Bus den Heimweg antreten müssen, bleibt die Vorfreude auf den nächsten Auftritt. Am 1. November spielen sie hier unter anderem Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“. Natürlich rein akustisch. Das Glück wird dann wohl perfekt sein.

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