Menü
Suche nach Kinderpornos belastet Ermittler der Polizei
Klein Mittel Groß

Bilderflut Suche nach Kinderpornos belastet Ermittler der Polizei

Die Nachforschungsarbeit beim Verdacht auf Kinderpornografie ist für die ermittelnden Beamten äußerst belastend. Zu diesem Ergebnis kommt eine umfangreiche Studie, die Landespolizeipräsident Uwe Binias beauftragt hat.

Quelle: Symbolbild

Hannover. Umgesetzt wurde die Studie von der Zentralen Polizeidirektion Niedersachsen. „Vor allem die steigende Datenmenge und was auf den Bildern zu sehen ist, machen den Kollegen zu schaffen“, sagt Polizeioberrat Malte Neubert, der die Studie begleitet hat. Häufig müssten die Beamten mehr als 3000 Bilder pro Stunde sichten. Viele erklärten, sie wüssten nicht, wie sie diese Datenmenge auf Dauer bewältigen könnten.

Zwischen Februar 2015 und Februar 2016 sind 286 Beamte angefragt worden, die mit Ermittlungen im Bereich von Kinderpornografie betreut waren oder noch sind. Die Rücklaufquote sei sehr hoch gewesen, berichtet Neubert. 193 Beamte hätten geantwortet. Die Ergebnisse der Studie seien als repräsentativ zu betrachten.

Gefragt wurden die Beamten etwa, welche konkreten psychischen oder physischen Auswirkungen die Beschäftigung mit kinderpornografischen Bildern oder Videos auf sie habe. 40 Prozent der Sachbearbeiter hätten angegeben, keine Auswirkungen an sich wahrgenommen zu haben. 41 Prozent hätten auf psychische Folgen verwiesen, 40 Prozent notierten physische Auswirkungen. „Das geht von Schlafproblemen bis hin zu einem veränderten Verhalten gegenüber den eigenen Kindern“, erläutert der Experte vom Innenministerium: „Manche haben gesagt, dass sie ihr eigenes Kind nicht mehr wickeln konnten.“

Sollen Privatfirmen helfen?

Für Experten sind solche Reaktionen nicht verwunderlich, weil die ermittelnden Beamten bei den untersuchten Videos auch auf sehr harte, abstoßende Taten und Szenen stoßen. „Es ist widerwärtig, was man da zu sehen und zu hören bekommt - auch an sadistischen Szenen“, sagt Polizeioberrat Neubert. In Extremfällen habe man sehen können, wie Kinder an den Folgen der Misshandlung starben.

Gab es in Niedersachsen 2004 etwa 1000 ermittelte Fälle von Kinderpornografie, so habe es zehn Jahre später 1500 Fälle von Besitz und Verbreitung von Kinderpornografie gegeben. In der Befragung hätten die allermeisten Ermittler auch deutlich gemacht, dass nach ihrer Meinung die verhängten Strafen in keinem Verhältnis zur Schwere der Taten stünden. Bei einem Ersttäter gibt es in der Regel nur eine Geldstrafe.

Angesichts der großen Belastung zu Spitzenzeiten überlegt das Justizministerium, ob speziell geschulte Fremdfirmen bei der Sichtung des Materials Unterstützung leisten könnten. Die Gewerkschaft der Polizei wies darauf hin, dass Fremdfirmen nur bei der reinen Datenauswertung helfen sollten: „Die Ermittlungsarbeit muss selbstverständlich bei den polizeilichen Fachleuten bleiben.“

E-Mail facebook twitter google+WhatsApp
Voriger Artikel: Vater und Sohn tot in Hamburg entdeckt
Home
Nächster Artikel: 16-jährige Radlerin stirbt nach Unfall mit LKW