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Hier kann man in Niedersachsen Dampflok fahren
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Historische Eisenbahnen Hier kann man in Niedersachsen Dampflok fahren

Zwölf Loks, 30 Triebwagen und jede Menge eisenbahnbegeisterte Helfer: Die Museumsbahn Bruchhausen-Vilsen nimmt bald wieder ihren Betrieb auf – zu Ostern gibt’s schon Sonderfahrten.

Einsteigen in die Geschichte: Die historische Bahn im Kreis Diepholz ist während der Saison jedes Wochenende in Betrieb.

Quelle: Siedenberg

Bruchhausen-Vilsen. Die Großmutter war schuld. Sie hat Elmar Böcker infiziert. Das war 1971, die Großmutter hatte eine Tourismusmesse besucht und brachte Infos über die Museumseisenbahn in Bruchhausen-Vilsen im Kreis Diepholz mit nach Hause. Elmar Böcker und sein Vater fingen sofort Feuer.

Jedes Detail interessiert

Bruchhausen-Vilsen, vor zwei Tagen. Elmar Böcker verströmt in seiner historischen blauen Eisenbahneruniform so viel Autorität, dass man sich fast automatisch die Taschen nach der Fahrkarte abklopft. Böcker erzählt von der Beschaffung alter Loks und der Wiederbelebung von Gleisen und von teuren Restaurierungen historischer Waggons. Und, mit Begeisterung, vom Vereinsleben, vom ehrenamtlichen Engagement, das das alles erst ermögliche: „Dat jeht nur inne Jemeinschaft.“

Ein Berliner also? „Spandau“, korrigiert er umgehend, und er lässt keinen Zweifel daran, dass Berlin bei Spandau liegt, nicht umgekehrt. Ist es nicht ziemlich weit von Spandau bis Bruchhausen-Vilsen? Elmar Böcker macht eine wegwerfende Handbewegung: Die Museumseisenbahn hat ihn seit damals, seit 1971, nicht mehr losgelassen. Erst fuhr er immer mit dem Vater hin, später zog die ganze Familie einfach um, vor knapp 30 Jahren machte Böcker eine Zugführer- und eine Lokführerausbildung. Heute ist er in Pension und chauffiert immer noch Touristen durchs Diepholzer Land.

Und er kann jedes Detail auswendig, erzählt hingebungsvoll von der roten Diesellok, die er gerade über die Brokser (wie man hier sagt) Bahnhofsgleise rangiert - Broksen ist der plattdeutsche Name von Bruchhausen. Die Lok wurde 1942 von der Kasseler Lok-Fabrik Henschel gebaut, für die Marine-Artillerie-Stellungen der Wehrmacht auf Borkum. Sie hat einen in Deutschland seltenen dieselelektrischen Antrieb, tat nach dem Krieg bei der Inselbahn Dienst und kam 1989 nach Bruchhausen-Vilsen. Die Bedienung sei ganz einfach, sagt Böcker: „Vorwärts, rückwärts, beschleunigen, bremsen, mehr nicht - ideal für Soldaten.“ Und der Schalk blitzt in seinen Augen.

Die Museumsbahn ist eine Klein- oder Schmalspurbahn. Die Gleisbreite beträgt einen Meter, im Gegensatz zur Normalbahn, deren Spurbreite exakt 1435 Millimeter misst. Früher, berichtet Edo Christophers, Sprecher des Deutschen Eisenbahn-Vereins (DEV) in Bruchhausen-Vilsen, waren die Kleinbahnen weit verbreitet, sie erschlossen die weniger besiedelten Regionen, brachten Menschen, Saatgut, Vieh und Nahrungsmittel dort hin oder dort weg. Sie waren wendiger als andere Eisenbahnen, brauchten weniger Platz. Christopher selbst ist als Kind mit so einer Bahn mit seiner Mutter von Plaggenburg in Ostfriesland nach Aurich zum Einkaufen gefahren. Als er nach Bruchhausen-Vilsen kam, erkannte er alles sofort wieder: das Schnaufen der Loks. Den Ölgeruch. Das Rattern der Waggons. „Die Holzklasse!“ Er lacht. Holzklasse nannte man die dritte Klasse damals, mit ungepolsterten Sitzbänken.

In den Fünfzigerjahren war meist Schluss mit den Kleinbahnen. Man brauchte Lokführer und Heizer und Zugführer und Schaffner und Ladeschaffner für eine Dampfeisenbahn. Da waren die Dieselloks schon günstiger, kein Heizer nötig, und bald liefen Lkw und Busse den Bahnen ökonomisch den Rang ab.

„Längstes Museum des Landes“

Aber es gab Menschen, die die guten alten Zeiten vermissten. Und die gründeten 1964 den DEV. Es war und ist ein deutschlandweiter Verein, viele Hamburger sind Mitglied, viele Berliner. Und Spandauer. In das schöne niedersächsische Flachland kam der Verein, weil es damals dort noch eine weitgehend intakte Strecke zwischen dem Bahnhof Bruchhausen und dem Ortsteil Heiligenberg gab, Teil der ursprünglichen Kleinbahn Eystrup-Syke von 1899. Die Gleise wurden im Laufe der Jahre weiterverlegt bis Asendorf. 7,8 Kilometer. „Wir sind das längste Museum Niedersachsens“, sagt Edo Christophers. Mit Tempo 20 geht es über die Strecke, rund 40 Minuten dauert die Fahrt pro Richtung.

Sieben Dampfloks, fünf Dieselloks, sechs Triebwagen, 30 Wagen fürs Publikum, dazu Post- und Pack- und Güterwaggons sowie 1100 Mitglieder - das ist das Potenzial, über das der Verein verfügt. Jedes Wochenende von Mai bis Oktober ist Betrieb, plus Sonderveranstaltungen.

Wie etwa an diesem Osterwochenende: Am Ostersonntag und am Ostermontag gibt es mehrmals täglich Ostereiersuchfahrten, Osterhase an Bord inklusive. Tickets bekommt man (nur) über den Internetvorverkauf unter tickets.museumseisenbahn.de. Sie kosten für Kinder 5 Euro, Erwachsene zahlen 8,50 Euro. Elmar Böcker wird auch da sein. In Uniform.

Historische Eisenbahnen in Niedersachsen

Es gibt unzählige Eisenbahnfreunde in Niedersachsen, oft haben sie sich zu Vereinen zusammengeschlossen, manche betreiben eine eigene Bahn. Eine Auswahl:

Dampfeisenbahn Weserbergland: Fährt von Stadthagen-West nach Rinteln-Nord. Fahrbetrieb: 4. Juni, 2. Juli, 6. August, 3. September, 1. und 29. Oktober.

Harzer Schmalspurbahn: Fährt von Wernigerode auf den Brocken, außerdem gehören die Harzquerbahn und die Selketalbahn zum Betrieb. Fahrbetrieb: ganzjährig mehrmals pro Tag, im Winter eingeschränkt.

Heide-Express: Verkehrt von Lüneburg nach Bleckede und auch auf anderen Strecken in der Lüneburger Heide. Fahrbetrieb: Ostereiersuchfahrt am Ostermontag, ansonsten von Juni bis September am ersten und am dritten Sonntag im Monat, im Mai Sonderfahrten.

Eisenbahnfreunde Hasetal: Betrieb der Strecke von Meppen über Haselünne bis Essen (Oldenburg). Fahrbetrieb: 1. Mai bis 7. Oktober an ausgewählten Tagen.

Moorexpress: Fährt von Bremen über Worpswede und Bremervörde nach Stade und zurück. Fahrbetrieb: vom 29. April bis zum 3. Oktober jeweils an Wochenend- und Feiertagen.

Küstenbahn Ostfriesland: Fahrten von Norden über Hage nach Dornum. Fahrbetrieb: Ostersonntag, außerdem am 1. Mai, an Himmelfahrt, Pfingstsonntag und Pfingstmontag. Sonst vom 4. Juni bis 22. Oktober sonntags, im August zusätzlich am Mittwoch.

Borkumer Kleinbahn: Fährt vom Fähranleger zum Bahnhof Borkum. Fahrbetrieb: April bis Ende Oktober an den Wochenenden, in der Hochsaison im Juli und August auch an diversen Werktagen.

Museumsbahn Bremerhaven–Bederkesa: Fährt genauso, wie es der Name besagt. Fahrbetrieb: Osterfahrt am Ostersonntag, ansonsten am 7. und 21. Mai, 4. und 18. Juni, 2., 16. und 30. Juli, 6. und 20. August, 3. und 17. September und 1. Oktober.

De Veern'er Kleenbohnexpress: Der Verdener Kleinbahnexpress verkehrt von Verden an der Aller bis Stemmen. Fahrbetrieb: Ostersonntag sowie 1. und 25. Mai, 5. Juni, 9. Juli, 13. August, 3. September und 3. Oktober.

Von Bert Strebe

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