Menü
Löschen bis 67? Altersgrenze bei Feuerwehr soll fallen
Klein Mittel Groß

Fehlende Einsatzkräfte Löschen bis 67? Altersgrenze bei Feuerwehr soll fallen

Bisher gehen Feuerwehrleute mit 63 in Rente - doch weil Einsatzkräfte fehlen, soll jetzt die Altersgrenze fallen. Das Landesinnenministerium will den Renteneintritt für den Dienst in der Freiwilligen Feuerwehr auf 67 Jahre heraufsetzen.

Quelle: Symbolbild

Sachsenhagen. Alarm, manchmal mehrmals am Tag. Die Freiwillige Feuerwehr rückt aus – löscht einen Brand im Seniorenheim, schneidet Verletzte aus einem Unfallwagen, birgt einen Tierkadaver aus einem Kanal – oder kehrt nach einem Fehlalarm gleich wieder um. Besonders tagsüber ist es in ländlichen Gebieten wie Sachsenhagen (Kreis Schaumburg) oft nicht leicht, die nötigen Helfer zusammenzufunken. Das Landesinnenministerium will das erleichtern und die Altersgrenze für den Dienst in der Freiwilligen Feuerwehr auf 67 Jahre heraufsetzen.

Auch Vorstände müssen gehen

Eine gute Idee, findet Joachim Muth, Gemeindebrandmeister in Sachsenhagen. „Viele Kameraden pendeln zur Arbeit nach Stadthagen oder Hannover“, sagt er. Die Neuregelung würde zwar nur wenige unter den 265 Aktiven in den sieben Ortswehren betreffen. Doch kürzlich hat der Brandmeister wieder einen Kameraden zwangsweise verabschieden müssen, nur weil der Mann 63 wurde. „Ich fühle mich noch fit und hätte gern weiter Schläuche verlegt“, sagt Günter Hahne, nun „Feuerwehrrentner“. Seinen Beruf als Autoverkäufer werde er noch jahrelang ausüben.

Der Kreisfeuerwehrverband Schaumburg gehörte denn auch zu den 60 Prozent der Feuerwehren in Niedersachsen, die sich bei der jüngsten Umfrage des Landesfeuerwehrverbandes dafür ausgesprochen haben, die Älteren weiter mitmachen zu lassen – rund 3300 Ortswehren gibt es im Land. „Es passt nicht zusammen, dass Leute bis 67 im Beruf bleiben, aber nicht bei der Feuerwehr aktiv sein dürfen“, meint Kreisbrandmeister Klaus-Peter Grote (58). Es würde ja niemand gezwungen, dabeizubleiben. Und es gehe bei den meisten über 60-Jährigen ohnehin nicht um Brandschutz an vorderster aktiver Front. Bisher müssten etliche wegen der starren Altersgrenze einen Vorstandsposten aufgeben, erzählt Grote: „Gerade da ist es oft schwer, Nachfolger zu finden.“

Auch Rolf Schaper (66) in Obernkirchen hätte gern weitergemacht. Er musste den Posten des Stadtbrandmeisters nach 18 Jahren aufgeben, obwohl er sich lieber weiter engagiert hätte. Die Feuerwehr lässt den Rentner bis heute nicht los. Seit seiner Zwangsverrentung im Ehrenamt kümmert er sich im Dienst der Stadtverwaltung um Belange des Brandschutzes. „Es gibt so vieles, was ältere Feuerwehrleute noch machen könnten“, sagt Schaper. Ob Verkehrsregelung, Funkvermittlung oder Präventionsreferate im Altenheim – „so ein alter Fuchs weiß doch genau, wo alles ist“. Viele über Sechzigjährige bedauerten das Ausscheiden aus der aktiven Wehr auch deshalb, weil sie die Gemeinschaft schätzten. Die Altersgruppe, die sich zum Klönen trifft, ist nicht dasselbe.

In dicht besiedelten Regionen, die von einer Großstadt geprägt sind, ist die Sorge um die Einsatzfähigkeit der Feuerwehr geringer – nicht nur, weil in der Stadt selbst die Berufsfeuerwehr hilft. „Wir wollten es bei 63 als Altersgrenze belassen“, sagt Karl-Heinz Mensing, Regionsbrandmeister in Hannover. Um aber den Feuerwehren im Wendland, der Wesermarsch oder dem Weserbergland nicht in den Rücken zu fallen, habe die Region eine Anhebung dann doch akzeptiert. E

ine Änderung der Altersgrenze muss aus Mensings Sicht mit weiteren Maßnahmen verbunden werden – zum Beispiel müssten Menschen mit Migrationshintergrund stärker in die Feuerwehren integriert werden. Auch die Erhöhung des Frauenanteils spricht er an – in den Freiwilligen Feuerwehren im Raum Hannover sind es zurzeit 13 Prozent. „Erst die Summe aller Maßnahmen stellt einen nachhaltigen Brandschutz inklusive der Hilfeleistungen sicher“, meint der Regionsbrandmeister.

Die Oldenburger sind skeptisch

Auch im wirtschaftlich gut aufgestellten Oldenburger Land wird der Altersgrenzenplan des Innenministers skeptisch gesehen. Da viele Feuerwehrleute in der Nähe ihres Wohnortes einen Arbeitsplatz haben, ist die Einsatzfähigkeit dort kein besonders großes Problem. Auch anderswo sollten sich Kommunen kreativer darum bemühen, junge Brandschützer am Ort zu halten, meint Dieter Schnittjer vom Oldenburgischen Feuerwehrverband (OFV). Zudem müssten öffentliche Arbeitgeber mehr als bisher ihr Personal in die Feuerwehren einbinden. „Bei einer Erhöhung der Altersgrenze wird das Problem nur verschoben“, meint der 55-Jährige. Der Oldenburger Verbandsvorstand hält die Anhebung auf 67 sogar für „verantwortungslos“. Die gesundheitlichen Risiken seien zu groß.

Günter Hahne und Rolf Schaper, die „Feuerwehrrentner“ im Landkreis Schaumburg, heben dagegen hervor, sie wären ohnehin nicht mehr mit schweren Atemschutzgeräten ins Feuer gegangen. Auch gebe es viele junge Kameraden, denen es an den körperlichen Voraussetzungen für den Geräteschein mangelt. Oft sei die Fitness nicht eine Frage des Alters, sondern des Körpergewichts.

E-Mail facebook twitter google+WhatsApp
Voriger Artikel: Acht Verletzte bei Auffahrunfall
Home
Nächster Artikel: A2 nach Glätteunfällen wieder frei