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Dichten über Pressefreiheit und Medienkultur
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Poetry-Slam "Macht Worte!" Dichten über Pressefreiheit und Medienkultur

Insgesamt sieben Slam-Poeten aus Essen, Bremen und Hannover haben ihre Texte im Kulturzentrum Faust zum Thema Pressefreiheit und Medienkultur vorgetragen. Der Dichterwettbewerb war eine Spezialausgabe im Vorfeld der deutschsprachigen Poetry-Slam-Meisterschaften, die im Oktober stattfinden. 

Die hannoversche Autorin Tanja Schwarz fordert beim Poetry Slam im Kulturzentrum Faust den Schutz für Journalisten ein - „sonst ist Pressefreiheit abgeschrieben“.

Quelle: Samantha Franson

Hannover. Raketen, laute Stimmen, Kinder, die Kerzen durch die dunkle Nacht tragen: Im Text von Tanja Schwarz geht es nicht, wie vorschnell vermutet, um ein Feuerwerk zu Silvester. Sie beschreibt in ihrem Vortrag vielmehr den Alltag eines Korrespondenten in einem Krisengebiet. Die Autorin erzählt von einem ehemaligen Lokalredakteur, den das Leid der Welt nicht loslässt, der gesellschaftliche Zustände beschreiben muss, um sie selbst besser zu verstehen.

Der Poetry Slam im Kulturzentrum Faust zur Pressefreiheit und Medien Kultur. 

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„Du wolltest zu den Geschichten in den Gebieten, die viele meiden / du musst es selbst sehen, um die richtigen Worte zu finden / das Gefühl selbst erleben, um es an Buchstaben zu binden.“ Schwarz erinnert an den Anschlag auf die Mitarbeiter von „Charlie Hebdo“, an die Verhaftungen von Journalisten in der Türkei, an sogenannte Umerziehungslager für kritische Autoren in Thailand. Und sie endet mit einer Mahnung. „Werden Journalisten nicht besser geschützt, ist Pressefreiheit bald abgeschrieben.“ Schwarz erhält beim Poetry Slam in der Vorrunde die höchste Punktzahl.

Der Dichterwettbewerb im Kulturzentrum Faust am Donnerstag war eine Spezialausgabe im Vorfeld der deutschsprachigen Poetry-Slam-Meisterschaften, die im Oktober erstmalig in Hannover ausgetragen werden. Sieben Dichter aus Essen, Bremen und Hannover haben sich dem Thema Pressefreiheit und Medienkultur gewidmet. Slammer wie Conni Fauck, Gerrit Wilanek und Florian Wintels, der später zum Sieger gewählt wurde, sparten dabei nicht mit Kritik an der Tageszeitung. Gerrit Wilanek forderte Redakteure auf, sich nicht von der Schnelllebigkeit des Internets treiben zu lassen. Das wirke altmodisch. „Aber ich brauche die Erfahrung der Zeitung!“

Poet Tobias Kunze setzte nach. „Seit das Internet die Welt vernetzte, haben die Schlachtschiffe der Berichterstattung Schlagseite statt Schlagzeilen.“ Kunze sieht eine Mitschuld der Leser. „Das Dschungelcamp ist wichtiger als eine Landtagswahl.“ Er plädierte für sorgfältige Analysen der Faktenlage. In Zeiten von alternativen Fakten, Meinungsblogs und digitalen Echokammern ist für viele Poeten die klassische Zeitung noch immer starker, streitbarer Partner. Und so wünschte sich Gerrit Wilanek ein versöhnliches Zusammenkommen - am Frühstückstisch.

Die deutschsprachigen Slam-Meisterschaften: 24. bis 28. Oktober in der Oper, in den Herrenhäuser Gärten und bei Faust. Für die Eröffnungsgala am 24. Oktober mit Torsten Sträter gibt’s noch Karten in den HAZ-Ticketshops. Die Moderation übernehmen die Brüder Klaus und Peter Urban.

von Jan Sedelies

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