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Wer steckt hinter der Brandserie in Kleingärten?
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Brandstiftung in Badenstedt, Davenstedt und Linden-Süd Wer steckt hinter der Brandserie in Kleingärten?

Seit Mitte Dezember hat es in Badenstedt, Davenstedt und Linden-Süd elf Brandstiftungen an Gartenlauben gegeben. Die Taten deuten darauf hin, dass sich die Brandstifter sehr gut in den troffenen Gärten auskennen. Die Kleingärtner sind verunsichert - und der Polizei fehlt eine heiße Spur.

Wenn sich der Rauch verzieht: Elf Brände legte der oder die Täter bislang. Meistens kommen die Brandstifter am hellen Tag.

Quelle: Michael Thomas

Hannover. Die Fenster der Gartenhütte im Veilchenweg der Kolonie Eintracht sind geborsten. Die Dachbalken völlig verkohlt. Ob sie neue Dachziegel tragen können oder ob sie abgerissen werden müssen, steht noch nicht fest. Auf dem Rasen liegt Kinderspielzeug. „Wenn ich das sehe, dann kommen mir die Tränen“, sagt Manfred Schütt. Er ist der Vorsitzende des Kleingartenvereins. Rund 30 Jahre hatte er seine Laube gegenüber der Brandruine, war mir den Besitzern befreundet. Heute kümmert er sich nur noch um die Geschicke des Vereins. Derzeit gibt es bei der Eintracht nur ein Thema: die unheimliche Brandstiftungsserie in benachbarten Kolonien in Badenstedt, Davenstedt und Linden-Süd.

Der Feuerteufel hat zugeschlagen. Tim Schaller vor seiner abgebrannten Laube.

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Elf Brände bislang gelegt

Seit Mitte Dezember hat es in diesem Gebiet elf Brandstiftungen an Gartenlauben gegeben. Die Serie hat die Laubenpieper der betroffenen Anlangen stark verunsichert. Viele äußern sich zwar zu den Vorfällen, doch mit ihrem vollständigen Namen oder mit einem Foto wollen sie dann lieber nicht in der Zeitung erscheinen – aus Angst. „Dann zündet er unsere Laube als nächstes an, um sich zu rächen“, sagt eine Kleingärtnerin. Die jüngsten Brandstiftungen ereigneten sich vor einer Woche. Am Sonntagnachmittag ging erst das Haus am Veilchenweg in Flammen auf. Während die Löscharbeiten noch liefen, brannte auch eine zweite Laube der Kolonie, nur rund 300 Meter vom Einsatzort der Feuerwehr entfernt. „Es passiert meist zwischen 13 und 17 Uhr an einem diesigen Tag“, sagt Laubenpieper Tim Schaller. Der oder die Täter legten am Sonntag auch Feuer in seiner Laube, die er sich seit einem Jahr mit zwei weiteren Parteien teilt. „Sie haben an der Rückseite eine Tür aufgebrochen und dann in einem anderen Raum, dessen Tür nicht verschlossen war, diverse Gegenstände angezündet“, sagt der 29-Jährige. Wäre der Nachbar nicht auf den Rauch aus der Hütte aufmerksam geworden, die Gartenlaube von Tim Schaller wäre deutlich stärker beschädigt worden.

Die Tat zeigt, wie dreist der oder die Brandstifter sind. Sie haben offenbar keine Angst davor, entdeckt zu werden und müssen sich sehr gut in den betroffenen Kleingärten auskennen. Allein die Kolonie Eintracht ist so groß, dass sich Fremde dort schnell verlaufen würden. Sie nehmen zudem in Kauf, dass Menschen bei ihren Taten zu Schaden kommen. Nicht auszudenken, wenn die Brandstifter eine Laube anzünden, in der sich gerade jemand schlafen gelegt hat und das Feuer nicht rechtzeitig bemerkt. Auch Eintracht-Vorstand Manfred Schütt hat sich lange den Kopf zerbrochen, was hinter den Taten stecken könnte. „Vielleicht ist das jemand, der keinen Garten bekommen hat und jetzt sauer ist“, sagt er. An einen Streit mit einem Anwärter kann er sich allerdings nicht erinnern. „Ich bin hart, aber ehrlich. Wenn einer nicht spurt, dann bekommt er von mir das Wort zum Sonntag zu hören. Aber ich wüsste nicht, dass ich jemanden so verärgert hätte, dass er zu solchen Mitteln greift“, sagt Schütt.

Polizei fehlt heiße Spur

Die Polizei hat bei ihren Ermittlungen noch keine heiße Spur zu dem oder den Kriminellen. Selbst die Belohnung von 3000 Euro, die der Bezirksverband der Kleingärtner für Hinweise auf den oder die Täter ausgesetzt hat, hat noch nicht zu dem erhofften Erfolg geführt. Die Beamten gehen sowohl der Frage nach, ob ein ehemaliges Vereinsmitglied für die Taten in Betracht kommt. Sie prüfen aber auch, ob möglicherweise ein Mitglied einer Freiwilligen Feuerwehr die Brandstiftungen begangen haben könnte. Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Helfer der Wehr zum Feuerteufel wird, um anschließend damit angeben zu können, stets als erster vor Ort gewesen zu sein. Im Juni 2013 nahm die Polizei in Isernhagen einen 17-jährigen Feuerwehrmann fest, der verdächtigt wurde, insgesamt 16-mal Feuer gelegt zu haben.

Erneut hat es in einer Kleingartensiedlung in Badenstedt gebrannt. In gleich zwei Gartenlaufen brach am Sonntag Feuer aus. Vieles deutet auf Brandstiftung hin.

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Um die neue Brandserie möglichst schnell aufklären zu können, hat die Polizei zudem ihre Präsenz in dem betroffenen Gebiet verstärkt. Streifenwagen sind jetzt häufiger auf den Straßen der betroffenen Stadtviertel zu sehen. Beamte der berittenen Polizei suchen von den Rücken ihrer Pferde aus die Kleingärten nach Verdächtigen ab.

Kleingärtner Oliver Wenz und sein Bekannter Hans Köhler haben ihre eigenen Vorkehrungen getroffen, damit der Hütte nichts passiert. „Ich gehe jeden Tag durch die ganze Kolonie und achte auf jeden, den ich nicht kenne“, sagt Köhler, der seinem Kumpel dabei hilft, seine Laube neu zu dämmen. Dass Diebe auch tagsüber durch die Kleingärten und herumliegende Wertgegenstände stehlen würden, sei auch in der Kolonie Eintracht immer mal wieder vorgekommen. „Aber so etwas, wie jetzt hat es hier noch nie gegeben“, sagt Wenz.     

Von Tobias Morchner

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