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2017 feiern alle Christen gemeinsam Ostern
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Orthodoxe Gläubige 2017 feiern alle Christen gemeinsam Ostern

In diesem Jahr fällt das orthodoxe Osterfest ausnahmsweise auf den gleichen Tag wie das der anderen Kirchen. Für viele der rund 20.000 Orthodoxen, die in Hannover leben, ist das etwas ganz Besonderes.

Das orthodoxe Kirchenzentrum am Mengendamm: In diesem Jahr feiern orthodoxe und unsere Kirchen ausnahmsweise zum gleichen Termin Ostern.

Quelle: Tim Schaarschmidt

Hannover. Die Gläubigen halten Kerzen in den Händen. Die Säulen, zwischen denen sie stehen, verlieren sich nach oben hin im Halbdunkel der Kirche. Der goldglänzende Radleuchter taucht die farbenprächtigen Fresken in ein warmes Licht, als sie sich bekreuzigen und ihre alten Gebete singen. Dazu schwenkt ein Diakon das Weihrauchfass, und Erzpriester Milan Pejic salbt jedem einzelnen Gläubigen die Stirn mit heiligem Öl.

Ein paar Dutzend Besucher sind zu diesem Gottesdienst in der serbisch-orthodoxen Kirche des Heiligen Sava gekommen. Das Gotteshaus könnte mit seinen mittelalterlich anmutenden Wandmalereien ohne Weiteres auch irgendwo auf dem Balkan stehen. Es ist, als wäre auf wundersame Weise ein Stück osteuropäischer Hochkultur mitten in das Gewerbegebiet am Mengendamm hineingefallen. Und in der Karwoche sind die Gottesdienste im orthodoxen Zentrum ausgesprochen gut besucht.

20.000 Orthodoxe in Hannover

Dass die Karwoche in die Karwoche fällt, ist dabei eher die Ausnahme. Denn der orthodoxe Termin für das Osterfest ist nur selten am selben Datum wie der von katholischer und evangelischer Kirche. In diesem Jahr allerdings feiern alle Christen am selben Tag Ostern. Auch deshalb ist das Fest für viele der rund 20.000 Orthodoxen, die in Hannover leben, diesmal etwas ganz Besonderes.

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Hier brennen am Wochenende die Osterfeuer in Stadt und Region.

„Viele von uns müssen sonst extra Urlaub nehmen, um an unseren Ostertagen frei zu haben“, sagt der 41-jährige Aleksandar Radojicic, der in der Südstadt lebt. Auch Latinka Lau, die in Serbien geboren wurde und als Kind nach Hannover kam, sieht ein besonderes Zeichen darin, dass sie in diesem Jahr am gleichen Tag Ostern feiern kann wie evangelische und katholische Freunde: „Diese Verbundenheit bedeutet mir sehr viel“, sagt die 60-Jährige: „Schließlich haben wir alle dasselbe Evangelium und denselben Christus.“

Die Liturgie - so nennen Orthodoxe ihre Gottesdienste - ist vorüber. Erzpriester Pejic hat sein rotes Gewand abgelegt und im Kirchenzentrum Platz genommen. Unter der Auferstehungsikone trinkt er seinen Kaffee. Ohne Milch: „Keine Tierprodukte in der Fastenzeit“, sagt er lächelnd. Seit gut 40 Jahren ist der 63-Jährige jetzt Priester in Hannover; er weiß, was ihn in der Nacht zu Ostersonntag erwartet: „Um Mitternacht werden Tausende hier sein“, sagt er voller Vorfreude.

Wer feiert wann Ostern?

Anders als Weihnachten ist Ostern kalendarisch ein bewegliches Fest. Im Jahr 325 legte ein Kirchenkonzil fest, dass Ostern immer am ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling gefeiert werden soll, also frühestens am 22. März und spätestens am 25. April. Die meisten orthodoxen Kirchen berechnen ihren Ostertermin allerdings bis heute nach dem auf Julius Cäsar zurückgehenden julianischen Kalender, während katholische und evangelische Kirche sich am reformierten gregorianischen Kalender von Papst Gregor XIII. aus dem Jahr 1582 orientieren. Der julianische Kalender hinkt dem gregorianischen um etwa 13 Tage hinterher, daher kann sich das orthodoxe Osterfest manchmal um eine Mondphase verschieben. Die Ostertermine von Ost- und Westkirchen können bis zu fünf Wochen auseinanderfallen. Ein gemeinsames Ostern wie in diesem Jahr ist die Ausnahme. Das nächste wird es erst in acht Jahren geben, am 20. April 2025. Papst Franziskus hat aber vorgeschlagen, sich auf einen gemeinsamen Ostertermin zu einigen. Es sei doch komisch, sagte er, dass ein Christ auf der Straße zu einem anderen sagen könne: „Mein Christus ist letzte Woche auferstanden, und deiner?“

Traditionell beginnt seine Gemeinde die Feier der Osternacht um 22 Uhr mit einer Prozession um die Kirche. Dann ziehen die Besucher mit Kerzen in das dunkle Gebäude ein. Gleich nebenan, in der griechisch-orthodoxen Kirche „Heilige drei Hierarchen“, feiern in dieser Nacht auch die Griechen die Auferstehung Christi. Und dazu kommen in das Orthodoxe Zentrum noch Scharen von Christen, die teils aus Afrika oder Arabien stammen.

Brauchtum wird gepflegt

Über die Jahrzehnte hat sich in Hannover ein vielfältiges orthodoxes Leben etabliert: Neben den beiden Gotteshäusern am Mengendamm gibt es allein drei russisch-orthodoxe Kirchen. In der serbischen Gemeinde finden regelmäßig auch Gottesdienste von Bulgaren und Georgiern statt. In anderen Einrichtungen sind Syrer und Rumänen zu Gast, und auch Eriträer und Kopten haben in der Region eigene kleine Gemeinden. Der hannoversche Teil der Christenheit ist ziemlich bunt geworden.

Gleichzeitig verändert das Leben in der Diaspora die orthodoxen Gemeinden. Vater Milan zelebriert die Liturgie inzwischen teils auf Deutsch: „Die dritte Generation von Zuwanderern spricht oft nicht mehr so gut Serbisch, und es kommen ja auch andere Nationalitäten“, sagt er.

Das Brauchtum hat darunter nicht gelitten: „Viele nehmen nach dem Ostergottesdienst brennende Kerzen mit nach Hause, um das Osterlicht daheim zu haben“, sagt er. Und nach der Liturgie, die am Ostersonntag um 9 Uhr beginnt, essen viele Gläubige genussvoll ein gesegnetes Osterei - das erste nach dem Ende der Fastenzeit. In der christlichen Symbolik ist das Ei ein Zeichen für die Auferstehung: „Es scheint tot zu sein wie ein Stein“, sagt Vater Milan, „doch dann bricht aus seiner Schale neues Leben hervor.“

Feuerwerk für Christus

Dass die Ostertermine in diesem Jahr zusammenfallen, freut den Erzpriester: „Dann sind Karfreitag und Ostermontag für unsere Gemeindemitglieder ausnahmsweise einmal Feiertage.“ Die Zahl seiner Gottesdienstbesucher dürfte das jedoch eher schmälern: Viele Orthodoxe nutzen die Ferien, um Ostern in ihren Herkunftsländern zu feiern - und um die heimatlichen Bräuche zu pflegen: „In Serbien gibt es in der Osternacht ein Feuerwerk; alle jubeln auf der Straße, um zu zeigen, dass Christus auferstanden ist“, sagt Vater Milan: „Das ist das Fest der Feste.“

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