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Die Zahl der Verkehrsunfälle steigt
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Wedemark Die Zahl der Verkehrsunfälle steigt

Die Zahl der Verkehrsunfälle in der Wedemark nimmt zu. Dabei musste die Polizei, wie sie am Montag in ihrer Statistik berichtet, 2016 bei drei tödlichen Unfällen mit vier getöteten Menschen im Bereich des Kommissariats Mellendorf zur Stelle sein.

Innerörtliche Verkehrsunfälle wie hier in Brelingen passieren häufiger als solche auf Kreis- und Landesstraßen.

Quelle: Kallenbach/Archiv

Mellendorf. Dass vier Tote bei Unfällen in der Wedemark zu beklagen waren, stecken auch Polizeibeamte nicht leicht weg. Der Anstieg der Unfälle insgesamt auf 693 (2015: 617) ist ebenfalls eine Zahl, die laut Polizeihauptkommissar Peter Wengler hervorsticht und Sorgen bereitet. Mit dem Anstieg um zwölf Prozent habe auch die Gemeinde Wedemark zur ähnlichen Zahlenentwicklung in der Landesstatistik beigetragen, verdeutlicht der Leiter des Einsatz- und Streifendienstes im Polizeikommissariat Mellendorf. „Ich hoffe nicht, dass wir uns da einpendeln“, sagt Wengler. Gründe für Anstiege und Rückgänge seien schwer zu greifen – die Polizei beobachtet dies als Wellenbewegungen.

Gleichwohl ist bei den Verkehrsunfällen die Zahl der dabei schwer verletzten Beteiligten (13), die stationär in einem Krankenhaus behandelt werden mussten, um 13 Prozent zurückgegangen; die der leicht Verletzten (71) legte indes um elf Prozent zu.

Zu Verkehrsunfällen kommt es häufiger innerhalb der geschlossenen Ortschaften (391, entspricht 56,4 Prozent) als außerhalb (302, entspricht 43,6 Prozent). Jedoch sind die Unfallfolgen auf den Straßen außerhalb der Orte aufgrund höherer Geschwindigkeiten oft schwerwiegender.

Wedemark-typisch ist ein hoher Anteil an Unfällen mit Wild. Von den 693 Verkehrsunfällen kam es in 190 Fällen zu Kollisionen mit Wild auf der Straße. Das entspricht einem seit Jahren stetigen Anteil von 27 Prozent. Die Wildunfälle verteilen sich auf dem gesamten außerörtlichen Straßennetz; den Einheimischen und Pendlern sind die Strecken wohl bekannt, auf denen regelmäßig Wild wechselt. „Die Kollisionen könnten häufiger vermieden werden, wenn die Verkehrsteilnehmer aufmerksamer wären und die Geschwindigkeitsbegrenzungen einhielten, besonders in der Dämmerung und bei Dunkelheit oder widrigen Witterungsverhältnissen“, mahnt Wengler nicht zum ersten Mal.

Ein besonderes Augenmerk richtet die Polizei bei der Betrachtung des Unfallgeschehens auf Verkehrsunfälle, an denen Fußgänger oder Radfahrer beteiligt sind. „Unsere statistische Erfassung unterscheidet nicht, ob sie beteiligt waren oder die Verursacher“, erläutert Wengler. Das sei für diesen Bereich nicht erheblich. „Viel erheblicher ist der Umstand, dass durch den fehlenden Karosserieschutz bei Radlern und Fußgängern meistens Verletzungen damit einhergehen.“ Bei 34 Unfällen waren 2016 in der Wedemark Radfahrer betroffen (2015: 40). Getötet wurde dabei keiner; vier wurden schwer, 18 leicht verletzt. Bei den 15 Unfällen (2015: 14) mit Fußgängern zogen sich elf leichte Verletzungen zu.

Als Risikogruppen gelten im Verkehrsgeschehen sowohl Kinder und jüngere Menschen bis zu 24 Jahren wie auch Senioren ab 65 Jahren. Speziell zu den älteren bis betagten Autofahrern, die sich häufig mit körperlichen Einschränkungen als Autofahrer im Verkehr bewegen, stehen Fahrsicherheitstrainings bis zu Führerscheinabgabe in der Diskussion – in Niedersachsen alles auf freiwilliger Basis. Immer mehr Ältere im Straßenverkehr – „das ist ein Problem, irgendwann müssen wir etwas tun“, meint Wengler. Dass viele Ältere sich gezwungen sähen, noch selbst Auto zu fahren, liege auch daran, dass in vielen Dörfern die Infrastruktur fehle, gibt Klaus Waschkewitz zu bedenken. „Ich glaube aber, da ist noch viel möglich“, sagt der Polizeichef. „Es gibt inzwischen Kommunen, die Services für Senioren anbieten.“

Augenzeugen helfen Unfallflucht

Unfallfluchten nehmen zu, in der Wedemark wie landesweit. 150 Fälle verfolgte die Polizei Wedemark 2016; so viele Fahrzeugführer entfernten sich unerlaubt von der Unfallstelle. Das bedeutete eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr (2015) um 18,11 Prozent. Die gute Nachricht stellte gestern Polizeichef Klaus Waschkewitz in den Vordergrund. „67 von den 150 Fällen haben wir aufgeklärt, das sind 44,66 Prozent. Das ist eine gute Quote in einem schwierigen Bereich“, stellte er fest. „Es liegt an der Akribie, mit der unsere Polizeibeamten den Sachverhalt vor Ort aufnehmen und aufklären.“ Selbst kleinste Lacksplitter und Gummiteile könnten heute analysiert werden.

Was die Unfallverursacher so oft an Verantwortung fehlen lassen – mehr und mehr Augenzeugen springen an der Stelle ein. Sie machen sich die Mühe und geben ihre Beobachtungen an die Polizei in Mellendorf weiter. „Wir erhalten doch etliche Hinweise aus der Bevölkerung auch aufgrund von Zeitungsveröffentlichungen. In der Regel rufen die Zeugen an. Das ist ein nicht unerheblicher Beitrag zur Aufklärung“, bestätigte der Kommissariatsleiter.

Um „Parkplatzrempler“ gehe es zumeist, die anschließend nicht bemerkt worden sein sollen. Doch der Begriff behagt Waschkewitz nicht wirklich, weil er die Tat verharmlost. „Es handelt sich aber um eine Straftat, die zum Amtsgericht geht, und nicht um eine Ordnungswidrigkeit“, betont er. Gemäß Paragraph 142 Strafgesetzbuch kann mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder Geldstrafe rechnen, wer sich unerlaubt von einer Unfallstelle entfernt.

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