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Nach dem Fußball fliegen die Fäuste
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Burgwedel/Sehnde Nach dem Fußball fliegen die Fäuste

Erst schlugen die Emotionen auf dem Fußballplatz hoch, dann flogen vor der Kabine die Fäuste: Dass das Nachspiel der Partie SV Fuhrberg - SuS Sehnde vor dem Amtsgericht Burgwedel dennoch mit Freisprüchen endete, verwunderte letztlich nur einen – das Opfer, das aber vielleicht selbst schuld war an der Eskalation.

Die "dritte Halbzeit" eines Kreisliga-Spiels endete jetzt vor dem Amtsgericht Burgwedel mit Freisprüchen.

Quelle: Frank Walter

Burgwedel/Sehnde. Angeklagt waren zwei 30 und 31 Jahre alte Männer wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung. Laut Staatsanwaltschaft sollen die Fuhrberger Spieler nach der Partie der 2. Kreisklasse im Mai 2016 auf einen Gegenspieler eingeschlagen und -getreten haben. Der Mann hatte laut Attest Prellungen, einen abgebrochenen Zahn und einen Nasenbeinbruch davongetragen.

Es muss hoch hergegangen sein an jenem Nachmittag auf dem Fuhrberger Sportplatz. Die Gastgeber waren offenbar das sportlich überlegene Team gewesen, die Zweikämpfe sollen sich zu übelsten Beleidigungen gesteigert haben. Wer aber angefangen hatte und was anschließend passierte, dazu gab es vor Gericht zwei Versionen zu hören.

Aus Sicht des 27-jährigen Sehnder Spielers, der damals verletzt worden war, sei es der jüngere der beiden Angeklagten gewesen, der sich für einen verlorenen Zweikampf mit einem Frustfoul gerächt habe. Nach einem Tumult und der Auswechslung seines Kontrahenten habe ihn dieser von außerhalb des Platzes weiter beleidigt – und dann, als er nach dem Spiel vor der Kabine geraucht habe, gemeinsam mit dem Mitangeklagten geschlagen und „zusammengetreten“.

Laut der beiden Angeklagten hingegen war es der Sehnder, der beleidigt, absichtlich gefoult und bei der Begegnung vor der Kabine weiter provoziert habe. Der Jüngere – dem der Sehnder zuvor schon auf dem Platz die Lippe blutig geschlagen habe – und der Kläger hätten sich dann ein paar Sekunden lang geprügelt, wobei der erste Hieb vom Sehnder gekommen sei. „Wir sind wie zwei Stiere aufeinander losgegangen“, so der 30-Jährige. Getreten habe niemand, andere hätten nicht mitgemacht – auch nicht der Mitangeklagte.

Weitere Spieler beider Teams sagten als Zeugen wenig Erhellendes aus und wirkten auch nicht recht glaubwürdig. Einen warnte der Richter sogar vor den Konsequenzen einer Falschaussage. Einzige unabhängige Zeugen damals waren zwei elf und zwölf Jahre alte Kinder gewesen, die nur einen Zweikampf beobachtet hatten – ohne Tritte, vermutlich begonnen vom Sehnder.

Die beiden Strafverteidiger hatten keine Mühe, zahlreiche Widersprüche in den Aussagen des Sehnders bei der Polizei und vor Gericht aufzulisten. Unter anderem hatte dieser im Zeugenstand behauptet, keine zivilrechtlichen Ansprüche zu erheben. Tatsächlich bestehe aber eine Forderung über 7000 Euro.

Letztlich sprach der Richter beide Angeklagten auf Kosten der Landeskasse frei, wie dies sogar die Staatsanwältin gefordert hatte. Auch für ihn blieben zu viele Zweifel, was sich damals in der „dritten Halbzeit“ des Kreisklassen-Kicks tatsächlich zugetragen hatte.

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