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Neue Fahrradstraße soll quer durch Nordstadt führen
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Nordstadt Neue Fahrradstraße soll quer durch Nordstadt führen

Auf einer der wenigen für Autos offenen Querverbindungen zwischen Engelbosteler Damm und Schneiderberg sollen Radfahrer Vorrang bekommen. Der Bezirksrat Nord möchte, dass die rund 500 Meter lange Strecke von An der Lutherkirche/Engelbosteler Damm bis zur Schaufelder Straße/Schneiderberg zur Fahrradstraße wird.

Fahrräder sollen auf der Schaufelder Straße künftig Vorrang haben.

Quelle: Tim Schaarschmidt

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Hannover. In einer Fahrradstraße haben Radfahrer Vorrang vor anderen Verkehrsteilnehmern: Sie dürfen nebeneinander auf der Fahrbahn fahren und das Tempo vorgeben. Autofahrer müssen sich der Geschwindigkeit anpassen und dürfen die Radler nicht zur Seite drängen. Außerdem dürfen sie nur in ausgewiesenen Bereichen parken.

Der Beschluss ist fast einstimmig gefallen, einzig die FDP enthielt sich. Die Stadtverwaltung muss vor der Einrichtung einer Fahrradstraße allerdings prüfen, ob der Straßenabschnitt die Voraussetzungen dafür erfüllt.

Fast einstimmiger Beschluss

„In einer Fahrradstraße dürfen Radfahrer nebeneinander fahren. Da Autos sie nicht überholen dürfen, wird der Verkehr entschleunigt“, erläutert Sebastian Ricken (Grüne). Eine erhöhte Aufmerksamkeit der Autofahrer komme auch kreuzenden Fußgängern zugute. Ricken denkt dabei vor allem an den Bereich rund um die Lutherkirche, wo viele Schüler und andere Passanten unterwegs sind.

Für die Antragsteller von SPD und Grünen liegt ein besonderer Reiz der angestrebten neuen Fahrradstraße auch darin, dass sie an eine bereits bestehende Strecke anschließt. Im vergangenen Jahr bekam die Appelstraße, die zwischen Schneiderberg und Nienburger Straße verläuft, den besonderen Status. Damals hat die Stadtverwaltung die Änderung selbst initiiert - die Appelstraße verbindet Herrenhausen mit der Nordstadt und damit zwei Stadtteile mit zahlreichen Instituten der Leibniz-Universität.

Nun muss die Verwaltung entscheiden

Die Antragsteller im Bezirksrat schlagen jetzt zusätzlich vor, eine Anschlussstrecke nach Vahrenwald mit Entfernungsangaben auszuschildern.

Nun ist die Stadtverwaltung am Zug. Mitarbeiter werden das Radwegenetz prüfen und per Verkehrszählung den Anteil der Radfahrer am Gesamtverkehr ermitteln. Ihr Anteil muss bei mindestens 50 Prozent liegen, damit die wesentlichen rechtlichen Voraussetzungen für die Einrichtung einer Fahrradstraße erfüllt sind. Bis die Strecke den neuen Status erhält, dürfte erfahrungsgemäß rund ein Jahr vergehen.

Möglicherweise ändert sich für Autofahrer am Ende gar nicht viel. Denn bereits jetzt liegt die Strecke in einer Tempo-30-Zone mit Rechts-vor-links-Verkehr. Häufig ist die Geschwindigkeit von Autos aber deutlich niedriger, da die Route mehrmals abknickt. Zwei Aufpflasterungen und eine Verengung der Fahrbahn bremsen den Verkehr ebenfalls aus. Außerdem sind dort bereits jetzt viele Radfahrer unterwegs.

Fahrradvorfahrt im Labyrinth

Eilig haben sollten Autofahrer es in der Nordstadt bereits jetzt nicht. Ortsunkundige verirren sich immer mal wieder in Wohnstraßen, in denen Poller an einer entscheidenden Stelle keine Durchfahrt erlauben, sodass der Autofahrer am Ende wieder bei „Los“ landet. Verengte Fahrbahnen und Aufpflasterungen bremsen den motorisierten Verkehr an etlichen Stellen aus, damit insbesondere Kinder, aber auch andere Fußgänger gut über die Straße kommen. Der hohe Anteil der Radfahrer im Stadtviertel wirkt zusätzlich als Bremse: An vielen Stellen ist ein Überholen schlicht nicht möglich, weil die verengte Fahrbahn oder ein in zweiter Reihe haltendes Fahrzeug das nicht erlauben.

Die zahlreichen Veränderungen im Straßenraum, die Politiker und Verwaltung im Laufe der Jahre eingeführt haben, wirken stark verkehrsberuhigend. Ob eine Fahrradstraße als zusätzliches Instrument vor diesem Hintergrund überhaupt eine Verbesserung bringt, erscheint fraglich. Denn nicht jeder Radfahrer schätzt es, wenn ein Auto ihm hartnäckig folgt, weil der Fahrer nicht überholen darf. Und bisher klappt die gegenseitige Rücksichtnahme doch bereits recht gut.

Ein Kommentar von Bärbel Hilbig

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