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Geflüchtete bauen Solar-Experimentierkästen für Kitas
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Mühlenberg Geflüchtete bauen Solar-Experimentierkästen für Kitas

Löten, bohren, Stromkabel bauen. Im Energie-Labor der ehemaligen IGS Mühlenberg fertigen 24 junge Geflüchtete ein Jahr lang Solar-Experimentierkästen, die anschließend kostenlos an Kindertagesstätten übergeben werden.

Minsterin Frauke Heiligenstadt (v. l.) lässt sich von Schüler Hoshiar und Lehrer Arno Mühlenhaupt ein Experimentierset vorführen.

Quelle: Tim Schaarschmidt

Hannover. Normalerweise lernen Schüler im „Energie Lab“, wie sich Energie gewinnen und einsparen lässt. Am Donnerstag besichtigte Niedersachsens Kultusministerin Frauke Heiligenstadt das Klassenzimmer, um sich die von pensionierten Lehrern entwickelten Experimentierkästen „mini-Solar“ vorführen zu lassen. Die modular aufgebauten Mini-Solar-Baukästen sollen Vier- bis Achtjährigen spielerisch nahebringen, wie aus Sonnenlicht nutzbarer Strom wird. Fünf fertige Sets wurden bei der Gelegenheit an die benachbarte Kindertagesstätte Edenstraße überreicht.

Samuel (17) und Naual (15) sitzen mit fünf anderen Jugendlichen an großen Tischen. Sie hantieren mit Lötkolben, Schraubenzieher, Lupen, Hammer und Feile. Nach und nach entstehen die viereckigen Einzelelemente des Experimentierkastens. Ein Set besteht neben einer Grundplatte und einem Strahler aus einem Solarmodul, einem Akku, zwei Schaltern, Kabeln und verschiedenen Stromverbrauchern. Naual aus dem Irak ist das einzige Mädchen in der Gruppe. Seit acht Wochen arbeitet sie in dem Berufsförderprojekt. Manchmal macht sie auch nach Schulende weiter, weil sie Deutsch lernen will. Samuel aus Eritrea baut kleine Motoren in Steckelemente ein. „Ich bin mir nicht sicher, ob ich einen Schulabschluss schaffe. Deswegen probiere ich das hier“, erzählt er. Vor jedem Arbeitsbeginn gibt es eine Unterrichtseinheit in Deutsch, Mathe oder Solartechnik, um die Chancen der Jugendlichen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern. Heiligenstadt würdigte das Engagement aller Projektpartner. „Bildung und Arbeit sind die Erfolgsgaranten für die Integration“, so die Ministerin. Das Projekt läuft zunächst ein Jahr. Bewährt es sich, könnten weitere drei Jahre folgen.

Das Berufsförderprojekt der IGS und der Werkstattschule Hannover wird mit 184 000 Euro vom Jobcenter Hannover, der Region und der Stiftung Pro Klima finanziert. Ziel ist es, den jungen Geflüchteten Grundlagen in einem Berufsfeld zu vermitteln, in dem sie perspektivisch gute Aussichten auf einen Ausbildungsplatz haben. Die Zuweisung der Teilnehmer erfolgt in der Regel durch Jobcenter oder das Beratungsbüro First Step in der Wunstorfer Straße 130.

Aussicht auf Serienproduktion haben die durchaus innovativen Experimentiersets übrigens keine. „Die Materialkosten wären zu hoch“, erklärt Günter Winkelmann, Chemie- und Biologielehrer im Ruhestand.

Von Corinna Schäfer und Mario Moers

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